Kanha aus Kambodscha

© Handicap International
Kanha sitzt auf einer Liege. Sie hat das linke Bein angezogen. Vor ihr steht die Prothese für ihr rechtes Bein.

Kanha kommt aus Kambodscha. Als sie acht Jahre alt war, verlor sie bei der Detonation eines Blindgängers ihren Vater und ihr rechtes Bein.

Handicap International: Hallo Kanha. Wie geht es dir?

Kanha: Mittlerweile geht es mir körperlich schon wieder besser. Ich vermisse jedoch meinen Vater sehr.

Handicap International: Wie genau kam es denn zu diesem schrecklichen Unfall?

Kanha: Ich spielte in der Nähe meines Elternhauses, als es plötzlich einen lauten Knall gab. Es gab eine unheimliche Druckwelle, und ich spürte unbeschreibliche Schmerzen – kurz darauf wurde ich ohnmächtig.

Handicap International: Was die Explosion ausgelöst hatte, war die Munition aus einer Streubombe. Dein Vater und deine Mutter befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion im Haus?

Kanha: Ja. Meine Mutter überlebte wie durch ein Wunder unverletzt. Mein Vater wurde von den Trümmern unseres eigenen Hauses erschlagen.

Handicap International: Wie hast du dich gefühlt, als du wieder aufgewacht bist?

Kanha: Meine Mutter wich auf dem Weg zum Krankenhaus keine Sekunde von meiner Seite. Sie versprach mir, dass alles wieder gut würde. Als ich erfuhr, dass mein Vater ums Leben gekommen war, war das ein großer Schock für mich.

Handicap International: Was für Verletzungen hast du erlitten?

Kanha: Am schwersten verletzt war mein rechtes Bein. Es musste oberhalb des Knies amputiert werden. Am Anfang habe ich nicht geschafft, mit irgendjemandem darüber zu sprechen. Aber dann haben mir Mitarbeiter von Handicap International versprochen, ein neues Bein für mich zu bauen – eine Prothese.

Handicap International: Wie genau lief das ab?

Kanha: Ich ging mit ihnen zusammen in ein Orthopädiezentrum, in dem viele andere Kinder mit solchen Verletzungen waren. Als ich sah, dass einige von ihnen lachend mit ihren Prothesen durch die Gänge rannten, schöpfte ich wieder neuen Mut. Ich bekam zunächst zwei Gehstützen, und die Mitarbeiter von Handicap International machten sich daran, eine Prothese für mich anzufertigen.

Handicap International: Hast du dich sofort an dein neues Bein gewöhnt?

Kanha: Am Anfang war es sehr ungewohnt und schwierig, mit dem Bein zu laufen. Aber ich wollte unbedingt wieder mit den anderen Kindern spielen können, ich wollte so wie sie rennen können. Also habe ich monatelang Übungen gemacht, die mir ein Physiotherapeut gezeigt hatte.

Handicap International: Und wie fühlst du dich jetzt mit deinem neuen Bein?

Kanha: Na ja, ich habe es geschafft, wieder laufen zu können. Dadurch habe ich mir ein Stück Selbstständigkeit zurückerobert.

Handicap International: Du bist nicht das einzige Opfer von Minen und Streubomben in Kambodscha.

Kanha: Nein. Kambodscha ist eines der am stärksten verminten Länder der Welt. 40.000 Einwohner sind auf Grund von Minenunfällen so wie ich amputiert. Und noch immer gibt es rund sechs Millionen Minen. Ich hoffe, dass der Kampf gegen Minen und Streubomben nicht aufhört, damit andere Kinder nicht das gleiche Schicksal wie ich erleiden müssen.

Stand: 11/2008

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