Kai aus Sierra Leone

Kai lebt in Sierra Leone in Westafrika. Wegen der schlechten medizinischen Versorgung hätte er fast sein Bein verloren.

Handicap International: Was ist damals mit deinem Bein passiert?

Kai: Ich war zwölf, als ich mir das Bein brach. Es entzündete sich danach sehr schwer, so dass mein Vater sich mit mir auf den Weg nach Koidu machte, das ist die nächstgelegene Stadt. Dort gab es nämlich eine Krankenstation und einen Arzt, der sich um mein gebrochenes Bein kümmern konnte.

Handicap International: Gab es denn in deinem Dorf keinen Arzt?

Kai: Nein. Auch ich verstand das damals noch nicht und fragte meinen Vater: „Warum gibt es denn in unserem Dorf keinen Doktor?“. Der schüttelte nur den Kopf: „Ärzte kann es nur in einer großen Stadt geben, mein Sohn. Bei uns auf dem Dorf kann doch niemand dafür bezahlen.“

© Handicap International
Eine Hütte aus Lehm und Stroh in Kais Dorf in Sierra Leone. Dahinter wachsen große Bäume.

Handicap International: Wie seid ihr dann in die Stadt gekommen?

Kai: Da ich nicht laufen konnte, musste mein Vater mich tragen oder ich wurde von anderen Leuten, die den gleichen Weg hatten, ein Stück weit getragen. Mein Bein hatte jetzt schon eine lila-grüne Farbe und begann zu pochen.

Handicap International: Konnte dir dann in Koidu geholfen werden?

Kai: Nein, nicht richtig. Wir gingen in die Krankenstation. Aber dort war einige Tage vor unserer Ankunft das Verbandsmaterial ausgegangen. Die Ärzte hatten also nichts, mit dem sie mein Bein richtig verbinden konnten – kein Pflaster, keine Mull-Binden, nichts. Also zerrissen die Krankenschwestern alte Bettlaken, mit denen mein Bein schließlich umwickelt wurde. Die Schmerzen ließen jedoch nicht nach.

© Handicap International
Drei Ärzte untersuchen das Bein von Kai an, während er auf einer Bank sitzt.

Handicap International: Wie ging es dann mit deinem Bein weiter?

Kai: In der Krankenstation sprach mich ein Ergotherapeut* von Handicap International an. Er sagte mir, dass ich an einer sehr schlimmen Knocheninfektion litt, die mein Bein schon fast zerfressen hätte. Meine Familie konnte es sich aber nicht leisten, mit mir in die Hauptstadt Freetown zu fahren, um dort einen Arzt aufzusuchen – deshalb musste ich große Schmerzen ertragen und in Koidu auf Hilfe warten.  

* Bei einer Ergotherapie werden handwerkliche, gestalterische und spielerische Übungen durchgeführt. Ein wichtiger Bereich ist das Üben von Tätigkeiten aus dem Alltag.

Handicap International:  Bist du dann doch noch in ein Krankenhaus gekommen?

Kai: Ja, der Ergotherapeut setzte sich für mich ein und ich wurde mit einem Auto in ein richtiges Krankenhaus nach Freetown gebracht. Dort arbeitet ein Team von Handicap International. Ich bekam einen richtigen Gips an mein Bein und endlich ließen die Schmerzen nach. Drei Wochen später war ich wieder auf den Beinen... es war unglaublich!

Handicap International: War dein Bein dann wieder gesund?

Kai:  Nachdem der Gips weg war, musste ich mit der „Rehabilitation“ beginnen. Das heißt, ich bekam eine Gehstütze und musste wieder lernen, alleine zu laufen. Ich konnte zum ersten Mal wieder unbeschwert lachen. Ich freute mich, bald wieder nach Hause gehen zu dürfen, wo alle meine Freunde und meine Familie auf mich warteten.

Handicap International: Wie lebst du heute?

Kai: Inzwischen lebe ich wieder zu Hause und gehe ganz normal zur Schule. Manchmal sehe ich noch die Helfer von Handicap International, denn sie arbeiten jetzt auch in der Krankenstation von Koidu. Das ist jedes Mal ein freudiges Wiedersehen. Sie haben sich sehr gefreut, dass mein Bein nicht amputiert werden musste. Denn das sollte wirklich keinem einzigen Kind auf der Welt geschehen.

Stand: 11/2008

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